Ein Hosterwechsel klingt harmlos: neuer Anbieter, bessere Konditions, Umzug, fertig. In der Praxis ist er eine der häufigsten Ursachen für komplett verlorene Websites. Das Muster ist fast immer dasselbe: Der alte Vertrag wird gekündigt, bevor die Daten gesichert und am neuen Ort eingerichtet sind. Wenn der alte Hoster dann abschaltet, ist alles weg, Website, E-Mails, Datenbank.
Die gute Nachricht: Dieser Verlust ist hundertprozentig vermeidbar. Es braucht nur die richtige Reihenfolge und eine vollständige Sicherung, bevor irgendetwas gekündigt wird. Der wichtigste Grundsatz lautet: Erst alles sichern und am neuen Ort einrichten, dann erst den alten Vertrag beenden. Niemals umgekehrt.
Was beim Hosterwechsel alles verloren gehen kann
Viele denken bei einer Website nur an die sichtbaren Seiten. Tatsächlich hängt weit mehr daran. Verloren gehen können die Website-Dateien, die Datenbank mit allen Inhalten, die E-Mail-Konten samt gespeicherter Nachrichten, und mitunter auch Einstellungen, die man über die Jahre angesammelt hat. Wer nur an die Seiten denkt, sichert oft zu wenig.
Besonders die E-Mails werden gern vergessen. Bei vielen Anbietern liegen die Postfächer auf demselben Hosting wie die Website. Wird das Hosting abgeschaltet, sind auch die E-Mails weg, oft Jahre an Korrespondenz. Deshalb gehört das E-Mail-Konto unbedingt auf die Sicherungsliste.
Die richtige Reihenfolge beim Wechsel
- Vollständiges Backup ziehen: Sichern Sie alles: die Website-Dateien, die Datenbank und die E-Mails. Erst wenn diese Sicherung vollständig und überprüft auf Ihrem eigenen Rechner oder einem sicheren Speicher liegt, geht es weiter.
- Neues Hosting einrichten: Richten Sie die Website beim neuen Anbieter ein und spielen Sie die gesicherten Daten dort auf. Testen Sie, ob alles läuft, am besten über eine vorläufige Adresse, bevor die Domain umzieht.
- Erst testen, dann umstellen: Prüfen Sie auf dem neuen Hosting gründlich alle Funktionen. Erst wenn die neue Seite nachweislich läuft, stellen Sie die Domain auf den neuen Server um.
- DNS und E-Mail umziehen: Passen Sie die DNS-Einträge an und richten Sie die E-Mail-Konten am neuen Ort ein. Achten Sie besonders auf die MX-Records, damit die E-Mails weiterlaufen.
- Erst ganz zum Schluss kündigen: Den alten Vertrag kündigen Sie erst, wenn die neue Seite stabil läuft, die E-Mails ankommen und Sie sicher sind, dass nichts fehlt. Lassen Sie dem alten Hosting ruhig noch eine Weile als Sicherheitsnetz.
Die wichtigste Regel: Kündigen Sie niemals das alte Hosting, bevor das neue vollständig läuft. Die paar Euro für eine Überschneidung von ein, zwei Monaten sind die beste Versicherung gegen einen Totalverlust. Wer zuerst kündigt und dann umzieht, riskiert alles.
Backups, auf die Verlass ist
Eine Sicherung ist nur dann etwas wert, wenn sie vollständig und wiederherstellbar ist. Laden Sie die Daten nicht nur herunter, sondern prüfen Sie stichprobenartig, ob die Dateien lesbar und die Datenbank vollständig ist. Eine Sicherung, die im Ernstfall nicht funktioniert, ist keine Sicherung, sondern eine trügerische Beruhigung.
Denken Sie auch an die weniger offensichtlichen Dinge: Zugangsdaten, besondere Konfigurationen, individuelle Anpassungen. Machen Sie sich vor dem Wechsel eine Liste aller Bestandteile Ihrer Online-Präsenz, damit nichts übersehen wird. Diese Gründlichkeit vorab erspart im Nachhinein viel Ärger.
Die alte Seite erst abschalten, wenn die neue wirklich läuft
Ein Fehler, der bei Hosterwechseln besonders teuer wird, ist das zu frühe Kündigen des alten Vertrags. Sobald die neue Seite irgendwie erreichbar scheint, fühlen sich viele sicher und kündigen das alte Hosting, um Doppelkosten zu vermeiden. Genau hier passieren die schlimmsten Datenverluste, denn oft zeigt sich erst nach Tagen, dass etwas fehlt oder nicht richtig übertragen wurde.
Die sichere Reihenfolge ist, beide Pakete eine Zeit lang parallel laufen zu lassen. Richten Sie die Seite beim neuen Hoster vollständig ein, prüfen Sie sie gründlich und lassen Sie das alte Hosting noch einige Wochen unangetastet bestehen. Diese Überlappung kostet ein wenig, ist aber die günstigste Versicherung gegen einen Datenverlust, den man hinterher nicht mehr rückgängig machen kann.
Prüfen Sie in dieser Parallelphase systematisch, ob wirklich alles mitgekommen ist: alle Unterseiten, die Bilder, die Formulare, die E-Mail-Konten und die Datenbankinhalte. Klicken Sie die Seite durch, als wären Sie ein Besucher, und testen Sie die wichtigen Funktionen. Erst wenn Sie über mehrere Tage sicher sind, dass die neue Seite vollständig und stabil läuft, kündigen Sie das alte Paket. Dann ist der Wechsel wirklich abgeschlossen, und das alte Hosting hat seinen Zweck als Sicherheitsnetz erfüllt.
Die Kurz-Checkliste
- Website-Dateien vollständig gesichert
- Datenbank exportiert und die Sicherung geprüft
- E-Mail-Konten und gespeicherte Nachrichten gesichert
- Neue Seite eingerichtet und vor dem Umzug getestet
- DNS und MX-Records sauber umgestellt
- Alten Vertrag erst nach erfolgreichem, geprüftem Umzug gekündigt
Mit dieser Reihenfolge wird der Hosterwechsel vom Risiko zur reinen Routine. Der entscheidende Schutz liegt in der Disziplin, erst alles zu sichern und einzurichten und erst ganz zuletzt zu kündigen. Wer das beherzigt, verliert beim Umzug nichts.
Für einen reibungslosen Wechsel passen diese Ratgeber: Website umziehen, Backup-Strategie und DNS & Nameserver erklärt.
Häufige Fragen
Alles, was zu Ihrer Online-Präsenz gehört: die Website-Dateien, die Datenbank mit allen Inhalten und die E-Mail-Konten samt gespeicherter Nachrichten. Denken Sie auch an Zugangsdaten und individuelle Einstellungen. Eine Liste aller Bestandteile vorab verhindert, dass etwas übersehen wird.
Besser nicht. Kündigen Sie erst, wenn die neue Seite vollständig läuft, die E-Mails ankommen und Sie alles geprüft haben. Eine Überschneidung von ein, zwei Monaten kostet wenig und ist die beste Versicherung gegen einen Datenverlust beim Umzug.
Weil die Postfächer bei vielen Anbietern auf demselben Hosting liegen wie die Website. Wird das alte Hosting abgeschaltet, verschwinden auch die E-Mails, oft samt jahrelanger Korrespondenz. Deshalb müssen die E-Mail-Konten unbedingt mitgesichert und am neuen Ort eingerichtet werden.
Verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Download geklappt hat, sondern prüfen Sie stichprobenartig: Lassen sich die Dateien öffnen, ist die Datenbank vollständig, sind die E-Mails enthalten? Eine Sicherung, die Sie nicht geprüft haben, kann im Ernstfall trügerisch sein.
